Kirche und meine Kindheit

Kirche und meine Kindheit · 23. Dezember 2018
Dann kam ich in die Schule: Grundschule Halsbach 1972 Religionsunterricht - Montag 8:00 Ich saß in der letzten Bank neben Manuela. Wir beide waren die größten, also saßen wir hinten. Ich zog den Kopf ein. Eine Spannung lag im Raum. Die Spannung der anderen lag daran, dass sie wussten, was gleichkommt und die Schadenfreude über das Bevorstehende war ihren Gesichtern anzusehen. Die Buben grinsten zu mir herüber und die Mädchen stießen sich mit den Ellbogen an. Nur einzig meine Spannung...
Kirche und meine Kindheit · 23. Dezember 2018
Mein Start Ich stand im Garten meiner Oma. In die Schule bin ich damals noch nicht gegangen. Noch keine 5 Jahre alt - und ich hatte Angst! Angst davor, dass ich einmal hingehe, wo ich hergekommen bin - aber woher bin ich eigentlich gekommen? Ich konnte es mir nicht vorstellen, wie es war, bevor ich geboren wurde und mich beschlich sehr häufig das mulmige Gefühl, dass ich gar nicht richtig da bin. Unwirklich fühlte es sich an. Und - wohin geht man, wenn man stirbt? Ist dann alles dunkel? Wie...
Kirche und meine Kindheit · 14. Dezember 2018
Viele sagen: "Blut ist dicker, als Wasser", wenn es um Familienzugehörigkeit geht. Ich muss dem widersprechen (mache ich meistens)... Der Mann auf dem Bild da oben, ist nicht mein leiblicher Vater - obwohl ich das mein Leben lang wusste, war es mir aber nie bewusst. Das erste Mal, als es mir richtig ins Bewusstsein kam, war mein Papa schon gestorben - und es war auch keine Familiensituation, die dieses ausgelöst hat, sondern die Bemerkung meiner ehemaligen Lehrerin, die ich besucht hatte und...
Kirche und meine Kindheit · 22. November 2018
Draußen war es kalt. An den Fensterscheiben waren kleine Eiskristalle. In der Küche ein Herd zum Kochen und zum Heizen. Natürlich ein Holzofen, so wie es früher üblich war. Neben dem Ofen stand eine riesengroße Schachtel. Diese Schachtel wackelte - denn sie hatte einen kleinen Bewohner. Abwechselnd hatten wir entweder ein kleines Schweinchen oder ein Lämmlein in der Küche. Meine Oma hatte neben ihrem Job als Waschpulververkäuferin und als Obag-Kassiererin den Job als Bäuerin. Sie war...
Kirche und meine Kindheit · 22. November 2018
Die Herkunft machte den Unterschied. Uneheliche Kinder gab es durchaus mehr. Meine Oma hatte drei uneheliche Kinder. Für sie war es die Hölle, denn sie dachte ja bei jedem Mann, der sie schwängerte, dass er es mit ihr ernst meinen könnte. Der Vater von dem zweiten und dritten Kind war derselbe. Er kam, machte das Kind - verschwand und kam das Jahr darauf wieder. Nochmal entstand ein Kind. Liebe macht blind und eine behinderte Frau ist ein noch größeres Opfer, mit dem noch leichter...
Kirche und meine Kindheit · 19. November 2018
Ungefähr in den 50igern kam der Michi zu meiner Oma. Er war ehemaliger rumänischer Knecht und arbeitete in dem ca. 9 km entfernten Hart. Dahin ging er täglich zu Fuß. Rad fahren wollte er nicht lernen - dafür konnte er mit der Sense umgehen, wie kein zweiter. Sein Geruch, bzw. der seiner Pfeife und der seiner Pfefferoni und Paprika, die er in seiner Kammer hängen hatte, ist mir heute noch in der Nase. Für mich war er der Opa. Er liebte mich und seine Katzen. Meine Oma hatte durch ihn...
Kirche und meine Kindheit · 17. November 2018
Sogar kleinste Kinder haben ein extrem feines Gespür für unterschiedliche Voraussetzungen bei gleichen Situationen. Ich habe dafür besonders Beispiele aus meiner sehr, sehr frühen Kindheit. Das erste Beispiel, an das kann ich mich selbst nicht mehr erinnern, aber meine Tante. Ich war ein sehr aktives strampelfreudiges Baby. Vor allem beim Wickeln. Bei meiner Mama war ich ein Teufel und betrachtete es als Sport, sie solange wie möglich zu beschäftigen. Anders bei meiner Oma. Wie ich ja bei...
Kirche und meine Kindheit · 11. November 2018
Mein ganzes Leben lang habe ich keinen Menschen kennengelernt, der mehr gekämpft - das heißt mehr kämpfen musste - als meine Oma. Ich denke, dass es sehr entscheidend für meine Entwicklung war, dass ich doch eine beträchtliche Zeit bei meiner Oma war. Zwar mir vielen Unterbrechungen - denn wenn meine Mama mit meiner Oma nicht einer Meinung war, was sehr häufig der Fall war - durfte ich nämlich nicht zu ihr. Bis zu meinem 5. Lebensjahr ist sie mit mir 3 x ausgezogen und dann wieder ein....
Kirche und meine Kindheit · 11. November 2018
Winter. Ein Winter wie aus dem Bilderbuch. Temperaturen weit unter 20 Grad, dazu Schneeverwehungen. Was die Natur, was Gott da gezaubert hat, hat mich im wahrsten Sinne des Wortes "verzaubert". Da stand ich. Staunend. Und habe darunter vergessen, wie kalt es war. Vorsichtig bewegte ich mich, um ja die zauberhaften Eisskulpturen nicht zu zerstören. Ich werde diese Winter in meinem Heimatörtchen nie vergessen. Und auch nicht, was dann passiert ist. Plötzlich kamen die anderen. Laut schreiend...